Shaping the future of animal health
Deutschland

Was sollte das Ziel bei der Bekämpfung sein?


Es gibt verschiedene Wege, die alle ihre Vor- aber auch ihre Nachteile haben oder die mehr oder weniger kostenintensiv sind. Der Weg ist jeweils individuell auf den Betrieb anzupassen. Über das einheitliche Ziel am Ende eines jeden Weges gibt es jedoch keinen Zweifel: Die Infektionskette muss unterbrochen werden, d. h. vorhandene Virusquellen dürfen nicht mehr auf empfängliche Tiere treffen, um nicht wieder neue Virusquellen entstehen zu lassen. Es muss eine nachhaltige Virusverdrängung stattfinden.
 

Grundlagen der nachhaltigen Virusverdrängung


Bei der BVD spielt die Infektionskette über vorübergehend infizierte Tiere eine untergeordnete Rolle. Der Grund ist, dass das BVD-Virus längst nicht so kontagiös ist, wie manche anderen viralen Erreger des Rindes (BHV-1, MKS). Während der vorübergehenden Infektion eines Tieres werden relativ geringe Virusmengen für nur kurze Zeit ausgeschieden. Mit der Virusmenge, die solche vorübergehend infizierten Tiere mit einem Gramm Nasensekret ausscheiden, würden sich etwa weitere 30 Tiere infizieren lassen. Die Ausscheidungsphase (Virämie) dauert dabei selten länger als 3 bis 4 Tage. Der Infektionsdruck, der von solchen Tieren ausgeht erscheint hoch, ist aber gegenüber dem von Dauerausscheidern verschwindend gering. Der Dauerausscheider scheidet ca. 200.000 Tier-infektiöse Dosen pro Gramm Nasensekret aus. Zudem scheidet er dauerhaft Virus aus (Dauerausscheider). Daher ist die Hauptvirusquelle im BVD-Geschehen der Dauerausscheider. Rein rechnerisch wäre es z. B. möglich, mit nur 1 g Nasensekret eines solchen Tieres die Hälfte der Rinderpopulation Sachsen-Anhalts zu infizieren. Für die Aufrechterhaltung der BVD sind daher weltweit auch nur relativ wenige Dauerausscheider nötig. Nur etwa 1–2 % der Rinderpopulation sind persistent infiziert (dauerhaft infiziert).
 

Die Entstehung der Dauerausscheider


Dauerausscheider entstehen nur durch BVD-Virus-Infektionen des Fetus innerhalb der Gebärmutter, wenn ein tragendes Muttertier selbst eine vorübergehende BVD-Virus-Infektion durchmacht und dabei das BVD-Virus auf seinen Fetus überträgt (transplazentare Infektion). Während des ersten Trächtigkeitsdrittels (1. Trimester) ist der Fetus (Foto 1) noch nicht immunkompetent, d. h., er kann nicht zwischen körpereigen (z. B. seiner eigenen Blutgruppe) und körperfremd (hier: BVD-Virus) unterscheiden. Ergebnis einer transplazentaren Infektion in diesem Stadium ist daher, dass er keine Abwehr gegen das eingedrungene BVD-Virus aufbaut (Immuntoleranz). Er toleriert das BVD-Virus als „körpereigen“ und wird zeitlebens keine Antikörper gegen diesen speziellen BVD-Virus-Stamm entwickeln. Ein solches Tier stellt Zeit seines Lebens eine regelrechte „Virus-Fabrik“ dar. Die ideale Vorgehensweise zur Verdrängung des BVD-Virus aus der Herde würde sein, den Dauerausscheider aus der Herde zu entfernen und mit der Impfung die Neuentstehung von Dauerausscheidern zu verhindern. Die BVD-Impfung muss dazu vor allem den Fetus vor einer transplazentaren Infektion schützen (fetaler Schutz).

Rindefetus-BVD.png

Foto 1: Rinderfetus am 86. Trächtigkeitstag. In dieser Trächtigkeitsphase führen transplazentare BVD-Virusinfektionen zur Entstehung von Dauerausscheidern
(Originalfoto: Universität Zürich)


Sonderdruck aus Milchpraxis 1/2001