Shaping the future of animal health
Deutschland

So sanieren Sie Ihren Bestand


So sieht ein sinnvolles Sanierungsprogramm im Betrieb aus:

  1. Impfung: Zur Prophylaxe müssen zunächst alle gesunden Kälber bis zum Alter von 14 Tagen sowie alle gesunden Rinder geimpft werden. Die Impfung muss nach 10 bis 14 Tagen wiederholt werden. Dann ist die Grundimmunisierung abgeschlossen.
    Um den Krankheitsverlauf zu verkürzen, können auch kranke Tiere geimpft werden. Dabei wird nach dem gleichen Impfschema wie bei den Kälbern vorgegangen: zwei Impfungen im Abstand von 14 Tagen. Für infizierte Tiere (also in der Inkubationszeit befindliche) oder sichtbar erkrankte Tiere, aber auch für ältere Tiere schreiben die Hersteller der in Deutschland erhältlichen Lebendvakzinen eine Verdoppelung der Impfdosis bei den beiden Impfungen für die Grundimmunisierung vor.
    Bisher scheint es keine Beeinträchtigungen des Impferfolges durch Antikörper aus der Biestmilch wie bei anderen Impfungen zu diesem frühen Zeitpunkt zu geben. Das liegt daran, dass sich die eigentlichen Schutzmechanismen auf zellulärer Ebene in der Haut etablieren und unabhängig von Blutantikörpern sind.
    Wenn alle Tiere einer Herde geimpft sind, ist in der Regel nach der Grundimmunisierung keine Wiederholungsimpfung mehr nötig. Die Grundimmunisierung muss aber über mehrere Jahre konsequent bei allen Jungrindern eines Bestandes sowie bei jedem Neugeborenen und jedem zugekauften Tier durchgeführt werden, sonst ist ein Rückschlag vorprogrammiert!
     
  2. Lokale Therapie: Dazu müssen hochgradig erkrankte Tiere lokal behandelt werden, um den Infektionsdruck schnell zu senken. Dazu eignet sich zum Bsp. Mycophyt (Wirkstoff: Natamycin, Firma Intervet), mit dem die Tiere per Rückenspritze „eingenebelt“ werden. Beachten Sie, im Umgang mit infizierten Tieren immer Handschuhe zu tragen!
     
  3. Isolation: In der Zeit, in der die Impfung bei solch erkrankten Tieren wirksam werden soll, sind sie unbedingt von den gesunden Kälbern zu isolieren, um den Infektionsdruck im Bestand so gering wie möglich zu halten. Das gilt natürlich auch für zugekaufte Kälber mit unbekanntem Flechtestatus bis mindestens drei Wochen nach der 2. Impfung.
     
  4. Hygiene: Neben der Impfung muss die weitere Verbreitung der Sporen unbedingt verhindert werden. Risikofaktoren für die Verbreitung sind:
  • Feuchte und warme Ställe: Eine Luftfeuchte von 80 % im Stall begünstigt die Ausbreitung der Pilzsporen.
  • Überbelegung von Abteilen
  • Keine Isolation von Zukauftieren
  • Hautschäden durch scharfkantige Stalleinrichtung
  • Jegliche immunologische Schwächung durch mangelhafte Versorgung oder andere Erkrankungen, wie z. B. BVD oder starke Verwurmungen.
  • Mangelhafte Vitamin-A-Versorgung der Kälber.

Da die Sporen sehr resistent sind, muss der Stall, in dem kranke Kälber aufgestallt waren, vor der Neubelegung unbedingt gereinigt und mit einem gegen Pilzsporen geprüften Desinfektionsmittel behandelt werden. Das gilt in der Regel auch für sämtliche Geräte im Stall. Zur Desinfektion eignen sich Chlorkalk (1%ig), Natriumhypochlorit (5 %ig) oder alkalische Formalinlösung (Formalin 2 %ig mit 1% NaOH-Zusatz). Dabei sollte pro m2 ein Liter der Lösung eingesetzt werden.
In Skandinavien, wo die Kälberflechte teilweise der staatlichen Aufsicht unterliegt, konnte so das Auftreten neuer Trichophytiefälle drastisch reduziert werden. Rückfälle treten hauptsächlich auf bei

  • unvollständiger Impfung der Kälber,
  • zu frühem Aussetzen des Impfregimes,
  • Vernachlässigung der begleitenden hygienischen Maßnahmen.

     



Dieser Sonderdruck wird mit besonderer Genehmigung des Landwirtschaftsverlages GmbH, Hülsebrockstraße 2, 48165 Münster, herausgegeben.