Shaping the future of animal health
Deutschland

Diagnostik und Dokumentation


Grundlage der antibiotischen Mastitisbehandlung muss stets eine exakte Feststellung des verursachenden Erregers sein. Der Nachweis der krankmachenden Keime ermöglicht nicht nur die Abschätzung des zu erwartenden Heilungserfolges und erlaubt über die Erstellung des Antibiogramms die Auswahl des anzuwendenden Präparates, sondern diese Befunde geben auch einen ersten Aufschluss über Keimreservoire im Betrieb und damit Anstöße zur Optimierung des Managements. Neben der Untersuchung im klinischen Krankheitsfall ist auch die Stichprobenuntersuchung in regelmäßigen Abständen sinnvoll und aufschlussreich.

Während in der Vergangenheit vor allem die sogenannten kuhassoziierten Mastitiserreger für die Entstehung von Euterentzündungen verantwortlich waren (S. aureus, Sc. agalactiae), sind heute immer mehr Mastitiden auf lnfektionen mit den sog. umweltassoziierten Erregern zurückzuführen. Unter ,,kuhassoziierten Erregern" versteht man solche, die aus euterkranken Milchdrüsenvierteln stammen und vor allem während des Melkens über Melkerhände, Zitzengummis und Milch von Kuh zu Kuh verbreitet werden.,,Umweltassoziierte Erreger" stammen aus dem Umfeld der Tiere (Boxeneinstreu, Laufflächen etc.). lhre Übertragung findet v. a. im Stallbereich statt.

Um diejenigen Erreger zu identifizieren, die für eine Mastitis verantwortlich sind, muss eine Viertelgemelksprobe - keine Einzelgemelksprobe - ohne Umgebungskeime gewonnen werden. Ein großer Teil der zurzeil in Mastitislaboren eingehenden Proben sind mit Schmutzkeimen verunreinigt, so dass eine exakte Feststellung des die Mastitis auslösenden Erregers nur schwer möglich ist. Hinweise für eine exakte Milchprobenentnahme gibt Tabelle 1.
 


Geräte
 

 

  • Haushaltspapiertücher (Einweg) verschiedener Fabrikate für Vor- und Zitzenkuppenreinigung
  • Brennspirituslösung (70%) zur Desinfektion
  • Einweghandschuhe
  • sterilisierte und beschriftete Reagenzgläser mit Stopfen à 12 ml

Durchführung
 

 

  • Neben dem Melkpersonal eine zusätzliche Person zur Probenentnahme
  • Vormelken der ersten Milchstrahlen in ein Vormelkgefäß
  • Trockene Reinigung der ZilzelEuler mit Einwegpapier
  • Desinfektion der Zitzenspitze und der Zitzenkanalöffnung mit Brennspiritus getränktem Einmal-Haushaltspapier (zuerst die grubenfernen Viertel - dann grubennah)
  • Probennahme (Röhrchen schräg, keine Berührung mit Zitze oder Tier, erst grubennahe Viertel, dann grubenfern, Röhrchen sofort verschließen)


Tabelle 1: Anleitung zur sachgerechten Milchprobenentnahme

 

Mastitiden und insbesondere ihre Behandlungen müssen im Betrieb dokumentiert werden. Diese Aufgabe ist nicht nur lästige Pflicht, sondern sie ermöglicht auch die Beurteilung der betriebsspezifischen Verhältnisse (Anzahl klin. Fälle pro Jahr, Anzahl von Erkrankungen und Behandlungen einzelner Tiere, Wirksamkeiten verschiedener Therapieregime etc.). Die Analyse dieser Daten ist wichtig, um Betriebsblindheit zu verhindern und die objektive Beurteilung von Maßnahmen zu ermöglichen.

Korrekte-Milchprobenentnahm.png

Korrekte Milchprobenentnahme

 

Anwendung der Therapeutika


Für eine erfolgreiche Therapie ist die Anwendung der Präparate unter Beachtung der größtmöglichen Hygiene erforderlich. Zumindest der für eine Milchprobenentnahme notwendige Reinigungs- und Desinfektionsaufwand ist auch für die Applikation von Mastitispräparaten notwendig. Die Anwendung in einem schmutzigen Stallabteil, die Applikation des Medikaments in sichtbar schmutzige Zilzen, das tiefe Hineinschieben eines Injektors in die Zitze, die Verwendung alter Spritzen oder gar alter Aufsteckkanülen, die Lagerung von Mastitismedikamenten im Melkbereich und auch die wiederholte Entnahme über längere Zeil aus Antibiotikaflaschen verringern die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Behandlung und bergen darüber hinaus das Risiko von Neuinfektionen mit umweltassoziierten Keimen oder mit Hefen.
 

Saubere-Behandlung.png

Saubere Behandlung verhindert Neuinfektionen

 

Erfolgskontrolle


Der Erfolg einer therapeutischen Maßnahme muss kontrolliert werden. Insbesondere bei kuhassoziierten Mastitiserregern hängt von den Ergebnissen der Kontrolluntersuchungen die Abschätzung des Risikos des Tieres für die Herde und der weitere Verbleib des Tieres in der Herde ab. Nachkontrolluntersuchungen sollten nicht vor zwei Wochen nach Ende einer Therapie durchgeführt werden. Unter Umständen bedarf es mehrerer Untersuchungen. Eine größtmögliche Sicherheit ist erst nach drei Untersuchungen im Abstand einer Woche gewährleistet.