Shaping the future of animal health
Deutschland

Eisenlücke beim Absetzen

Eisenbedarf kalkulieren.PNG

Hintergrund der Eisenmangelanämie ist, dass die Ferkel zum Zeitpunkt der Geburt nur mit einem sehr geringen Eisenvorrat ausgestattet sind (durchschnittlich 50 mg/kg Ferkel). Zusätzlich ungünstig wirkt sich ein Vitamin-E-Mangel der Sauen während der Hochträchtigkeit aus. Vitamin E spielt eine große Rolle für die Verwertung des Eisens aus dem Futter. Zu wenig Vitamin E in der Ration oder auch hohe Mykotoxingehalte im Futter – die ausreichend vorhandenes Vitamin E zu einem hohen Anteil zur Mykotoxinentgiftung verbrauchen – senken die Eisenverwertung und damit die Bereitstellung der Sau für ihre noch ungeborenen Ferkel. Über die Sauenmilch erhalten die Ferkel nur 1 mg Eisen pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Für das Wachstum werden aber etwa 67 mg Eisen pro Kilogramm Gewichtszuwachs benötigt. Danach lässt sich aus dem Geburtsgewicht, dem Absetzgewicht und der Säugedauer der theoretische Bedarf an Eisen, der per Injektion zusätzlich zugeführt werden muss, einfach errechnen. Hierzu kann auch ein spezieller Kalkulator genutzt werden (siehe Grafik „So den Eisenbedarf kalkulieren“). Demnach genügt bei niedrigen durchschnittlichen Tageszunahmen von unter 180 g eine Gabe von 200 mg Eisen per Injektion. Bei Zunahmen von über 180 g oder längerer Säugedauer reicht die Standardmenge des injizierten Eisens bereits rechnerisch nicht mehr aus. Generell lässt sich sagen, dass Saugferkel ab einem Körpergewicht von über 5,4 kg in eine so genannte Eisenlücke (Iron-Gap) laufen, wenn nur einmalig 200 mg Eisen in den ersten vier Lebenstagen appliziert werden (siehe Grafik „Beim Absetzen droht Eisenlücke“). Diese Eisenunterversorgung entsteht damit in der Regel zwischen dem 15. und 20. Lebenstag der Ferkel. Das heißt, zum Zeitpunkt des Absetzens weist das „Durchschnittsferkel“ bei einer einmaligen Eiseninjektion von 200 mg oft eine latente (subklinische) Eisenmangelanämie auf. Aktuelle internationale Untersuchungen bestätigen dieses rechnerische Manko. Etwa ein Drittel der Absetzferkel wiesen danach eine latente (subklinische) Eisenunterversorgung auf. Diese Praxisstudien zeigen aber auch, dass vor allem die schweren Ferkel von der Eisenlücke besonders betroffen sind (siehe Grafik „Schwere Ferkel besonders betroffen“). Von ihnen wiesen sogar bis zu 80 Prozent einen latenten Eisenmangel auf. Jedes zehnte schwere Ferkel hatte sogar eine klinische Anämie. Nicht ohne Grund zeigen daher oft gerade die schwersten Absetzferkel die größten tiergesundheitlichen Anpassungsschwierigkeiten zu Beginn der Flatdeckphase.