Shaping the future of animal health
Deutschland

Problem Dauerausscheider


Die Übertragung des Erregers kann durch direkten Kontakt von Schwein zu Schwein (z. B. mit dem Sperma) erfolgen. Der Hauptinfektionsweg besteht jedoch im Eindringen der Leptospiren über die Schleimhäute oder durch feinste Wunden der äußeren Haut (Klauen- oder Hautverletzungen) aufgrund Harnkontaminierter Liege- oder Laufflächen. Nach der anfänglichen Allgemeininfektion besiedeln Leptospiren bevorzugt die Nieren. Von hier aus werden sie phasenweise und in unterschiedlich großer Menge mit dem Harn über Wochen und Jahre ausgeschieden (siehe Abbildung ,,Verlauf einer Leptospiren-Infektion"). Trotz einer sich ausbildenden Immunität, die sich als Antikörper im Blut ab etwa 14 Tage nach der Infektion im Mikroagglutinationstest (MAT) nachweisen lässt, bleiben solche Sauen damit Dauerausscheider.
Auch Schadnager (Maus und Ratte) machen eine den Schweinen vergleichbare Infektion nach Aufnahme von Leptospiren im Stall durch. Sie sorgen dadurch als Vektoren für die Verbreitung der Erreger innerhalb verschiedener Stalleinheiten eines Betriebs. In schweinedichten Regionen sorgen sie auch für die Verbreitung zwischen Beständen. Die Einschleppung in einen Betrieb erfolgt jedoch meist über den Zukauf unauffällig infizierter, dauerausscheidender Jungsauen. Daher kommt der Erregerfreiheit von Auslieferungstieren besondere Bedeutung zu. Die Jungsauen können sich bereits früh in Betrieben mit Leptospiren-ausscheidenden Altsauen infiziert haben. Obwohl nicht genau bekannt ist, ob wirklich alle einmal infizierten Sauen einen solchen Dauerausscheiderstatus entwickeln, sollten Ferkelerzeuger zur eigenen Sicherheit davon ausgehen, dass Antikörper-tragende Muttersauen potenzielle Leptospiren-Ausscheider sind.


Verlauf-einer-Leptospiren-Infektion.png
 

Infektketten unterbrechen


Da jeder Dauerausscheider wieder neue Dauerausscheider erzeugt, müssen die vorhandenen Infektketten durch verbesserte Hygienemaßnahmen wie Schadnagerbekämpfung sowie Reinigung und Desinfektion unterbrochen werden. Parallel dazu ist die Leptospiren-Ausscheidung durch die bereits vorhandenen Dauerausscheider möglichst lange zu reduzieren, besser noch vollends zu stoppen.
Hierzu werden antibiotische Gesamtbestandsbehandlungen durchgeführt, die im Idealfall ausreichend hohe Wirkstoffspiegel im Nierengewebe und den Schleimhäuten der harnableitenden Wege erreichen. Tetrazykline stellen bislang die Standard-Wirkstoffgruppe zur Behandlung der Leptospirose beim Schwein dar. Allerdings wird in der Praxis zunehmend beobachtet, dass die Notwendigkeit zur Bestandsbehandlung mit klassischen Tetrazyklinen (CTC, TC-HCL, OTC) in immer kürzeren Zeitabständen besteht. In betroffenen Betrieben wird oft zwei-, bisweilen sogar viemal pro Jahr behandelt. Auch Verlängerungen des Behandlungszeitraums auf bis zu drei Wochen lassen zunehmend Zweifel an der Nachhaltigkeit des klinischen und ökonomischen Erfolgs der klassischen Tetrazyklin-Behandlung aufkommen.
Neue Möglichkeiten verspricht der Wirkstoff Doxycyclin, ein halbsynthetisches Tetrazyklin. Dieser Wirkstoff, bislang nur für den Einsatz bei Atemwegserkrankungen beim Schwein zugelassen, wurde gezielt für die orale Gabe entwickelt und wird aufgrund seiner hohen Fettlöslichkeit sehr gut im Darm resorbiert. Anders als die klassischen Tetrazykline der ersten Generation wird Doxycyclin im Nierengewebe, dem Leptospiren-Rückzugsort, angereichert und über die harnableitenden Wege ausgeschieden (siehe Abbildung,,Effekt eines neuen Therapieansatzes"). Ein weiterer Vorteil ist, dass mit einer deutlich niedrigeren Wirkstoffmenge gearbeitet werden kann, was ebenso die Güllebelastung mit antimikrobiell wirksamen Molekülen erheblich reduziert. Ein Effekt, der neben ökologischen Aspekten auch für nachgeschaltete Biogasanlagen eine Rolle spielt (siehe hierzu auch dlz 0212009, Seite 101: ,,Erst Hui, dann Pfui").


Effekt-eines-neuen-Therapie.png
 

Erfolgreich im Praxistest


Der neue Therapieansatz wurde in einem Praxisbetrieb überprüft. Es handelt sich hier um einen Jungsauenvermehrer, der infolge eines PRRS-Einbruchs vollständig depopuliert wurde. Der Neuaufbau der Herde erfolgte mit Tieren, die frei von APP, Mykoplasmen, PRRS und Rhinitis atrophicans waren. Zudem bestand die vertragliche Zusicherung, dass die Tiere auch frei von Leptospira pomona, L. tarassovi und L. ikterohämorrhagiae waren. Nach Ankunft wurden 20 Tiere beprobt. Drei dieser Tiere erwiesen sich als positiv ftir den Typ Leptospira bratislava.
Dem wurde zunächst keine Bedeutung beigemessen. Nachdem die erste Gruppe besamt war und nach drei bis sechs Wochen die ersten Umrauscher und Frühaborte auftraten, wurde die gesamte Gruppe beprobt. Alle verbliebenen 33 Tiere der Gruppe erwiesen sich ausnahmslos als serologisch positiv auf L. bratislava. Daraufhin wurde beschlossen, den gesamten Bestand von 330 Tieren über 14 Tage mit Doxycyclin (,,Pulmodox") oral zu behandeln (Dosis: 10 mg/kg Körpergewicht). Es sollte die noch günstige Beriebssituation, dass noch keine Ferkel im Betrieb waren genutzt werden, da dies die Chancen für eine Sanierung verbessert. Nach der Bestandsbehandlung wurden die Tiere über ein Jahr hinweg regelmäßig beprobt und der Verlauf der Antikörperspiegel verfolgt. Ohne weitere Bestandsbehandlungen fielen bei allen Tieren die Titer innerhalb von drei Monaten deutlich ab. Einzelne Tiere (rund zehn Prozent) wiesen nach etwa fünf Monaten noch geringe Antikörper- Titer auf. Die Tatsache, dass am Ende alle Tiere Antikörper-frei waren, zeigt jedoch, dass kein neuer Kontakt mit Leptospiren nach der Behandlung bestand. Dies lässt auf eine Sanierung des Bestands von Leptospirose mittels Doxycyclin schließen.
Natürlich wurde die Therapie von einer gleichzeitigen Entwesung, Reinigung und Desinfektion begleitet. Vor allem hat man versucht, eine Austrocknung von feuchten Stellen im Kontaktbereich der Tiere mithilfe von Stallosan und anderen kalkhaltigen Produkten zu erreichen.
Der Betrieb hat heute eine Leistung von über 26 abgesetzten Ferkeln pro Sau und Jahr und eine Abferkelrate von 89 Prozent, so dass man durchaus von einer wirtschaftlich erfolgreichen Sanierung sprechen kann.